Wie sich Leben und Arbeiten in den letzten 150 Jahren gewandelt haben, ist das Hauptthema des Museums der Arbeit. In seinen Ausstellungen geht es der Frage nach, welche Auswirkungen der Prozeß der Industrialisierung und der durch ihn bedingte umfassende soziale, kulturelle und ökonomische Wandel auf Menschen, Gesellschaft und Natur gehabt hat.
Dabei stehen zunächst Ausschnitte aus für Hamburg typischen Bereichen der Arbeitswelt im Vordergrund, wie die Druck- oder Fischindustrie, die Kontor- und Hafenarbeit, aber auch die Arbeit im Haushalt. An ihnen vollzieht das Museum nach, wie sich die Anforderungen an die Menschen durch unterschiedliche Arbeitsbedingungen geändert haben, welche Kenntnisse und Verhaltensweisen etwa Maschinen den Menschen abverlangen, welche menschlichen Tätigkeiten sie ersetzen und welche Belastungen oder Erleichterungen sie mit sich bringen. Die immense Steigerung der Warenproduktion, vor allem von Konsumgütern, die mit der technischen Entwicklung einhergeht, wirft das Problemfeld um Qualität, Begleiterscheinungen und Folgen des »technischen Fortschritts« auf. Einen Beitrag zu einer kritischen Betrachtung dessen zu leisten, was als Fortschritt bezeichnet wird, ist deshalb ein zentrales Anliegen des Museums.
Ausgangs- und Mittelpunkt der Betrachtung sind aber stets die Menschen, nicht die Maschinen. Daher ist es dem Museum wichtig, ausgehend von den materiellen Hinterlassenschaften, auch das Leben jenseits der Arbeitsplätze und außerhalb der Arbeitszeit ins Blickfeld historischer Betrachtung zu rücken. Wie wirken sich bestimmte Arbeitsbedingungen auch auf die Freizeit aus? Wie organisieren sich Menschen ihren Alltag, um sich seinen Erfordernissen stellen zu können? Und schließlich, welche Bedeutung hatten die Objekte, die dem Museum zur Verfügung gestellt wurden, für ihre ehemaligen Besitzer und Besitzerinnen? Denn auch im vermeintlich Nebensächlichen können verdeckte Strukturen aufscheinen, lassen sich Hierarchien oder Freiräume ablesen, Befindlichkeiten wie Stolz oder Ängste sowie verschiedene Formen des Umgangs mit dem Alltag.
Bei all diesen Fragen hat das Museum der Arbeit die unterschiedlichen Lebenssituationen von Frauen und Männern, die »Geschlechterperspektive« im Blick. Das gilt für die Bedingungen der Sozialisation, für die gesellschaftliche Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern und ihre Bewertung und ebenso die Vorstellungen von der »Natur der Frau bzw. des Mannes«, wie sie seit der Aufklärung die Zuweisung zu gesellschaftlichen Rollen begründen.
Das Museum der Arbeit ist vor mehr als zehn Jahren mit dem Ziel angetreten, ein lebendiges Museum zu werden, ein Museum, das Fragen an die Geschichte stellt und Impulse und Entwicklungen der Gegenwart aufgreift. Auch nachdem die Dauerausstellung 1997 der Öffentlichkeit übergeben wurde, möchte das Museum diesem Vorsatz treu bleiben und ihm durch ein vielseitiges Wechselausstellungs- und Veranstaltungsprogramm weiterhin gerecht werden.
