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Museum der Arbeit / Ausstellungen / Sebastião Salgado & Raphael Bolius / Terra

Sebastião Salgado: "Terra"

13. Februar bis 29. März 1998

Die Fotografien rücken Menschen am Rande der brasilianischen Gesellschaft ins Bild, sie konfrontieren uns mit Aspekten ihres Lebensalltags, ihrer Arbeit, ihrer Religion, ihrer Not, aber auch ihres Stolzes und ihrer Lebenslust. Sie dokumentieren die Auseinandersetzungen um Landbesitz, den Kampf der Landlosen, die brachliegendes Land besetzen, um sich ein menschenwürdiges Leben zu sichern und zurückzuerobern, was ihnen zusteht: ihre demokratischen und sozialen Rechte in der Gesellschaft, die "cidadania".

Die Organisation der Landlosen in Brasilien (MST)

Salgado: Letzte Hürde

Der Landbesitz konzentriert sich in Brasilien in den Händen weniger Großgrundbesitzer. 50 Prozent der landwirtschaftlich nutzbaren Flächen gehören nur einem Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es ca. 4,8 Mio Landsuchende. Die Verfassung von 1988 erlaubt es der Regierung zwar, ungenutzten Großgrundbesitz zu enteignen und zu verteilen. Entsprechende Maßnahmen werden aber nur zögerlich angepackt; zu groß ist die Macht der Großgrundbesitzer.

Fortschritte gibt es erst, seit sich die Landlosen 1985 in der Bewegung der landlosen LandarbeiterInnen (Movimento dos Trabalhadores Rurais Sem Terra - MST) organisiert haben. Der MST kämpft für eine gerechtere Landverteilung, für eine Agrarpolitik zugunsten der Kleinbauern und für eine Gesellschaft, die keine Armen und Ausgeschlossenen produziert. Das wichtigste Mittel in diesem Kampf ist die Besetzung von ungenutztem Großgrundbesitz. Unter dem Motto "Besetzen - Widerstehen - Produzieren" besetzen jährlich Tausende bäuerlicher Familien Brasiliens Land, um dort leben und arbeiten zu können. Allein 1996 hat die Organisation 167 Besetzungen unter Beteiligung von 45.000 Familien durchgeführt, zum Teil gegen massive Gewalt der Großgrundbesitzer und staatlicher Repression.

Die Bewegung wird von den Kirchen, Gewerkschaften und weiten Teilen der zivilen Gesellschaft unterstützt und ist heute die wichtigste Oppositionsbewegung Brasiliens. Zum Jahrestag des Massakers von Eldorado dos Carajás (Bundesstaat Pará), bei dem 1996 mindestens 19 Landlose von der Militärpolizei getötet worden waren, demonstrierten annähernd 100.000 Menschen für eine Agrarreform - es war die bisher größte Demonstration gegen die neoliberale Regierungspolitik des Präsidenten Cardoso und vorläufiger Höhepunkt der Aktivitäten des MST.

Der Fotograf

Sebastião Salgado, geboren 1944 in Minas Gerais, Brasilien, gilt als einer der bedeutendsten Dokumentarfotografen der Welt. 1973 begann der gelernte Ökonom zu fotografieren. Seine Fotos sind das Ergebnis von Langzeitprojekten, für die er sich bestimmte Themenschwerpunkte wählt. Sein Werk "Workers", mit Erfolg in vielen Ländern der Welt gezeigt, dokumentiert Arbeiter in verschiedenen Kontinenten in unterschiedlichen Arbeitsbereichen. Seit zweieinhalb Jahren verfolgt Salgado das Thema der Flüchtlingsbewegungen mit der Kamera.

Salgados Fotogafien sind jeweils Resultate eines engen Kontaktes mit denjenigen, deren Leben und Arbeit dokumentiert werden. "Alle meine Fotografien sind ein Geschenk der Leute, die zu sehen sind. Erst wenn du eine Beziehung mit ihnen eingehst, haben sie wirklich die Macht, die etwas zu unterbreiten."

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