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Späte Freiheiten
Geschichten vom Altern

16. November 2000 bis 4. März 2001

Die Ausstellung geht von der These aus, dass sich die Gesellschaft heute und in Zukunft nicht mehr nur aus den bekannten drei (Jugend, Erwerbsleben, Alter), sondern aus vier Generationen zusammensetzt. Die Lebensphase zwischen dem 55. und dem 75. Lebensjahr entwickelt sich für die Menschen der westlichen Welt zunehmend zu einem Lebensabschnitt eigener Qualität. Gezeigt werden die Geschichte, die gegenwärtige Situation sowie die Chancen und Probleme dieser neuen Generation. Die Ausstellung beschreibt, was diese Neuheit ausmacht. Wie lebt sie? Was sind ihre Forderungen? Aber auch: Wieso sind einige ältere Menschen von neuen - finanziellen, technologischen - Möglichkeiten ausgeschlossen? Zu sehen sind Ausschnitte aus einer Kultur, in der das berufliche Leistungsprinzip in den Hintergrund rückt und in der sich Personen außerhalb der gesellschaftlich anerkannten Funktionen und Tätigkeiten als eigenständige Gruppe etablieren.

Im Zentrum der Ausstellung stehen nicht gesamtgesellschaftliche Prozesse und technologische Entwicklungen, sondern die Darstellung individueller Perspektiven und Möglichkeiten. Dazu versammelt die Ausstellung in fünf Themenbereichen - Körper, Wohnen, Kommunikation, Mobilität und materielle Sicherung - Exponate von privaten Personen, bekannten Künstlern (z.B. Andres Serrano, Melanie Manchot), von Museen und Institutionen aus Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, den Niederlanden, der Schweiz und den USA.

Ausgehend von der Annahme, dass die historischen Veränderungen der Lebenssituation älterer Menschen für einen Teil eine Entwicklung von relativ großer Abhängigkeit und Unfreiheit zu mehr Freiheit und Selbständigkeit im Alter aufweist, verbindet die Ausstellung Fragen der Gegenwart mit Lösungen der Vergangenheit und Vorstellungen der Zukunft. Mit einem Gang durch zweihundert Jahre Kulturgeschichte des privaten Lebens und einer Darstellung von Visionen zukünftiger Lebensgestaltung nähert sich die Ausstellung einer individuell wie gesellschaftlich relevanten Frage: Wie wollen wir im Alter leben? Und wie können wir materielle Sicherheit und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben für möglichst viele sichern?

Die Ausstellung

Das Alter ist heute eine besondere Lebensphase geworden. Für einen Teil der älteren Menschen hat in den vergangenen Jahrzehnten die Freiheit zugenommen. Das Bild der Alten, die beschaulich auf der Parkbank sitzen, stimmt für viele nicht mehr. Ältere Menschen gestalten ihr Leben bisweilen kreativer als die Erwerbsgeneration.

"Späte Freiheiten" ist die erste Ausstellung zu einer Kultur des Alterns. Sie reagiert auf eine aktuelle Entwicklung: die Erfindung der "jungen Alten". Sie relativiert dabei allerdings auch die Erwartungen an diese neue Generation. Trotzdem macht sie neugierig auf das Alter und soll dazu beitragen, den Schritt in den Ruhestand zu erleichtern.

"Späte Freiheiten" ist die erste Altersausstellung auch für jüngere Menschen. Sie bietet kompakte Information und ruft gleichzeitig Staunen und Nachdenken hervor. Der historische Vergleich mit dem 19. Jahrhundert zeigt eindrucksvoll die veränderten Lebensbedingungen. "Späte Freiheiten" stellt auch Biografien vor. Zehn ältere Menschen aus den letzten beiden Jahrhunderten erzählen ihre persönliche Geschichte vom Altern. Fazit: Die Lebensformen im Alter sind oft eine Fortführung des Lebens in jüngeren Jahren.

Themenbereiche

Eine Kunst des Körpers

Wie gesund sind Sie heute, wie gesund noch im Jahr 2001, was schmerzt Sie? Kunstwerke präsentieren den alten Körper erstaunlich offen. Das unbekannte Innenleben des alternden Körpers wird mit seinen Altersdefiziten anhand von medizinischen Präparaten schonungslos gezeigt. Der Gedanke an den Tod bleibt auch den "jungen Alten" nicht erspart. Deshalb runden Bilddokumente historischer wie gegenwärtiger Vorstellungen vom Tod den Körperreigen ab.

Die eigenen vier Wände

Ohne Familie zu wohnen, muss nicht Einsamkeit bedeuten. Wie wollen Sie wohnen? Hausmodelle zeigen, wo wir die älteren Menschen finden. Fotos dokumentieren ihren Alltag. Ein Film aus den 30er-Jahren führt uns in ein vorbildliches Altenheim. Und: Eine außergewöhnliche Sammlung zeigt aquarellierte Monatsblätter eines Architekten über 50 Jahre hinweg.

Mobilität

An der Mobilität der heutigen Gesellschaft können auch Seniorinnen und Senioren teilhaben. Bewegung bedeutet Kontakte und Lebensqualität. Was ist ihnen Bewegungsfreiheit wert? Für die Ausstellung haben wir die Alltags- und Reisebegleiter der alten Leute gesammelt: Taschen, Koffer, Tüten. Wir packen sie aus und spüren ihrem Gebrauch nach.

Der Draht zur Welt

Die Familie war und ist der wichtigste Gesprächspartner für Alte. Ist sie es heute noch? Worüber wird da gesprochen? In einer multimedialen Inszenierung, die in Zusammenarbeit mit jungen Medienkünstlern entstanden ist, können die Besucher den Alten zuhören und mit ihnen ins Gespräch kommen. Bedächtigkeit, Innehalten, Nachdenklichkeit scheint nach wie vor ein Bedürfnis, auch wenn Beschleunigung angesagt ist. Dias zeigen in langsamer Abfolge historische Gesprächssituationen in Familie, Arbeit und Freizeit. Der schnelle Wechsel von Filmsequenzen bietet den Zugang zur Vielfalt aktueller Kommunikationsformen.

Freiheit durch Sicherung?

Arm oder reich? Welches Finanzierungsmodell kann in der Zukunft realisiert werden? Bittere Armut und schwere Arbeit zeigt die Fotodokumentation des Alters vor den Zeiten der staatlichen Altersvorsorge. Verträge mit der Familie sowie kuriose Sparutensilien von Privatpersonen stehen im Kontrast zur anonymen Verwaltung der heutigen Alters- und Hinterbliebenenversicherungen. Dennoch ist Altersarmut immer noch ein Problem unserer Gesellschaft.

Weitere Informationen: Späte Freiheiten

Zum Preis von DM 39,- ist ein Katalog erhältlich.

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