"Ein Stück Arbeit"
14. März bis 29. Juni 1997
Nach der Eröffnung seiner Dauerausstellungen im Januar zeigt das Museum der Arbeit vom 14. März bis zum 29. Juni 1997 seine erste Sonderausstellung mit dem Titel "Ein Stück Arbeit". Zahlreiche Hamburgerinnen und Hamburger haben auf Medienaufrufe reagiert und brachten Gegenstände, die sie als Andenken an mit "einem Stück Arbeit" verbundene Situationen, Ereignisse oder Lebensphasen aufbewahrt haben, und die dazugehörigen Geschichten ins Museum.
Das Ergebnis sind 72 Variationen des Verhältnisses von Ding, Erinnerung und Arbeit. 72 Dinge und Geschichten sind hier ausgestellt, die aus unterschiedlichsten Lebens- und Arbeitszusammenhängen stammen. Sie sind in Gruppen zusammengefaßt, die sich an den Formen und Anlässen der Erinnerungen orientieren:
Sie geben Einblick in Arbeit aus Kindersicht, erzählen vom Einstieg ins berufliche Leben und den damit verbundenen Anfangsschwierigkeiten. Manche Dinge wurden als Erinnerungsstücke an wichtige Stationen im Lebenslauf wie Konfirmation oder Hochzeit, Ende der Ausbildung oder Pensionierung aufbewahrt.
Gegenstände aus der unmittelbaren Nachkriegszeit berichten von den Mühen des Alltags.
Die Erwerbstätigkeit ist durch eine Anzahl unterschiedlichster Objekte vetreten, die von Routine und Arbeitsalltag, von Konflikten am Arbeitsplatz oder dessen Verlust, aber auch von der Wichtigkeit von Anerkennung der eigenen Arbeit erzählen.
Requisiten des Alltäglichen umschreiben die Bandbreite dessen, was außerhalb der Erwerbstätigkeit als Arbeit verstanden wird. Darunter fallen Tätigkeiten in Familie und Freizeit. Nicht Fertiggestelltes erzählt von Strategien der Vermeidung, "Trophäen" vom Stolz auf Geleistetes.
Es gibt Gegenstände, die schon zu Erinnerungszwecken hergestellt und Arbeitsstücke, die als Erinnerung an nahestehende Menschen aufbewahrt wurden.
Die hier versammelten Andenken enthalten zum einen eine subjektive, private und persönliche Seite, zugleich aber kristallisieren sich in ihnen kollektive Erinnerung, Zeitgeschichte und Facetten unterschiedlicher Lebenswelten. Die sich am "Musée sentimental" orientierende Ausstellung möchte nicht die eine große Geschichte erzählen, sondern eine Vielzahl kleiner Geschichten. Gerade der auf das Detail gelenkte Blick auf einzelne Dinge und ihre individuellen Geschichten, eröffnet Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit zu eigener assoziativer Erinnerung. Es zeigt sich, daß unser Verhältnis zu Dingen nicht nur von Zwecken und Nutzen bestimmt ist, sondern daß die Dinge einen darüber hinausgehenden Stellenwert haben können, als Schlüssel zu Lebenserfahrungen und zur Deutung der eigenen Biographie. Darüberhinaus ermöglichen die Dinge einen Blick auf Verständnisse von Arbeit, die nicht in ökonomischen und objektivierbaren Kriterien meßbar sind.
