Verstrickungen
Arbeiten von Annette Greiner
14. Mai bis 6. Oktober 2002
verlängert bis 10. November 2002
im KUNSTRAUM des Museums der Arbeit
Im Zentrum der Ausstellung: sechs Strickpuppen, buntlackiert und lebensgroß, eine Metallkrone auf dem Kopf.
Annette Greiners Strickliesel-Installation ist eine künstlerische Annäherung an das Thema Geschlechterrollen. Als Metapher für textiles Arbeiten und weibliche Produktivkraft ist sie auch lesbar als Bild von Disziplinierung und Selbstbeherrschung. Assoziationen an bürgerliche Erziehungsideale klingen an: Mädchen ab 3 Jahre mussten stricken, bevor sie lesen lernen durften. "Weibliche" Tugenden wie Geduld, Körperdisziplinierung und Selbstzwang wurden so im 19. Jahrhundert eingeübt.
Die Anordnung der Puppen erinnert auch an ein Heer: das Pendant männlicher Disziplinierung durch Militär und Drill.
Ironie der Kunst: An den Puppen kann gestrickt werden - von Männern und von Frauen. Bei Aktionen in der Ausstellung wird die Künstlerin ihr Publikum in Fragen verstricken: ist Stricken reine Frauensache, wo doch viele Jungen das Vergnügen am Strickliesel-Stricken kennen? Rollen kommen ins Rollen, Vorurteile vielleicht auch.
"Verstrickungen" sind ausgestellt in der Abteilung "Frauen und Männer. Arbeits- und Bilderwelten" - hier werden erstmals in der deutschen Museumslandschaft Arbeitsteilung und Rollen von Männern und Frauen mit sozialgeschichtlichen und Kunst-Exponaten dokumentiert. (Information zu Ausstellung und Rahmenprogramm: Dr. Elisabeth v. Dücker, 428133-160)
