The Real Toy Story
Eine Installation mit 20 000 Spielzeugen und Fotografien von Michael Wolf
22. September bis 26. November 2006
Eine Ausstellung im Rahmen der China Time Hamburg 2006
Kühlschränke, Kameras oder Computer - eine immer größere Anzahl von Produkten auf unserem Markt wird inzwischen in chinesischen Fabriken gefertigt. Während sich in den westlichen Industrieländern die Arbeitsplätze vor allem in der Massenproduktion stetig verringert haben, übernimmt die chinesische Wirtschaft in immer mehr Branchen die Marktführerschaft: China ist die Fabrik der übrigen Welt.
Beträgt der Durchschnittslohn eines Industriearbeiters in Deutschland 16 Euro, sind es in China gerade mal 70 Cent. Dafür erinnern die Bedingungen, unter denen die Produktion dort stattfindet, an die schlimmsten Auswüchse des Manchesterkapitalismus: Arbeitszeiten von 14 Stunden, rudimentäre Arbeitssicherheit, was eine enorme Anzahl von Arbeitunfällen mit hunderttausenden Verletzten und Toten zur Folge hat, nur selten bezahlten Urlaub und elende Verhältnisse in den Arbeiterquartieren der Industriestädte.
Der Fotograf Michael Wolf arbeitete acht Jahre für den Stern in China, um sich später verstärkt seinen eigenen Projekten zu widmen.
In vielfach preisgekrönten Reportagen beobachtet er den chinesischen Alltag und die oft wundersamen Eigenheiten des chinesischen Lebens. So widmete er sich in dem Buch- und Ausstellungsprojekt "Sitting in China" der vielfältigen Sitzkultur der Menschen oder blickte in "Hong Kong front door/back door" hinter die Wohnungstüren der Metropole. Der rasante Aufstieg der Nation zur ökonomischen Weltmacht und die sozialen und kulturellen Verwerfungen, die damit verbunden sind, sind ein wiederkehrendes Thema in seinen Bildern. Für die Bildreportage "China: Fabrikhalle der Welt" im Stern bekam er im letzten Jahr den World Press Photo Award. Wolf verfolgt hier den Arbeitsalltag chinesischer Arbeiter und Arbeiterinnen in den Textil-, Sportschuh- und Spielzeugfabriken. Von den Kolonnen, angetreten zum Morgenappell, über die dicht gedrängten Arbeitsplätze in den Werkhallen bis hin zu den endlos aneinander gereihten Balkonen der Hochhauswohnungen wandert sein Blick auf Werktätige, die so uniform bei uns kaum mehr zu finden sind. Mit langen Verschlusszeiten, in die er hineinblitzt, fängt er die unablässigen Bewegungen der Arbeiter ein und löst einzelne Gesichter aus der Menge heraus. Als Einzelne erkennbar werden die Menschen in den behelfsmäßige Nischen, die sich die Arbeiterinnen unter ihren Tischen für ihre Pausen eingerichtet haben, und in denen sie sich der strengen Kontrolle der Aufsichten entziehen können oder an den Verletzungen, die sie bei der Arbeit erlitten haben.
Die unter diesen Bedingungen billig hergestellten Waren füllen unsere Geschäfte im Westen. In seinem aktuellen Projekt/ Kunstprojekt "The Real Toy Story" stellt Michael Wolf die Verbindung zwischen den Produkten und den Verhältnissen ihrer Herstellung wieder her. In einer raumfüllenden Installation von über 20.000 Spielzeugobjekten "Made in China", die Wolf ausschließlich auf kalifornischen Flohmärkten erworben hat, zusammen mit Porträtaufnahmen der chinesischen Arbeiterinnen bei ihrer Produktion, entwirft er ein Bild der hinter der Spielzeugproduktion stehenden Menschen. Das Spielzeug selbst - das älteste Stück stammt aus dem Jahre 1987 - reicht von Spiderman- über Hulk- zu Supermannfiguren und gibt somit einen Einblick in die allgegenwärtige Popkultur.
Das Museum der Arbeit zeigt die Reportage "China: Fabrik der Welt"/Bilder aus der Reportage "China: Fabrik der Welt" zusammen mit der Installation "The Real Toy Story".
